Rede von Michael Fischer anläßlich des BASTA!-Innovation Award 2007

Folgende Rede hat Michael Fischer anläßlich des BASTA! Innovation Award am 20. September 2007 in den Rheingoldhallen in Mainz gehalten. Diese Rede gibt einen schnellen Überblick über das Projekt ROMA Mobile.

Guten Tag,

der BASTA Award ist ein Innovationspreis und deshalb möchte ich kurz vier innovative Aspekte des Projektes hervorheben, zwei betriebswirtschaftliche und zwei technische:

Die Leistung des Unternehmens

Der Kunde, die Firma Schoellerwerk, ist das, was man so schön einen "Hidden Champion" nennt: Inhaber-geführtes Familienunternehmen, 180 Jahre alt, 850 Mitarbeiter, über 100.000 km geschweißte Edelstahlrohre pro Jahr.

Wenn ein solches Unternehmen von einer komplett papiergesteuerten Produktionsplanung und -kontrolle direkt auf ein mobiles MES übergeht und im Zuge dieses Projektes seine betrieblichen Informationsprozesse komplett neu gestaltet, dann ist das eine unglaubliche innovative Leistung.

Heute erfassen die Schweisser und Lageristen mit 108 Geräten ca. 60.000 mobile Buchungen im Monat, mobile Informationsabfragen gar nicht mitgerechnet. Nächsten Jahres werden wir bei rund 200 Geräten und ca. 130.000 Buchungen sein und dann den gesamten, vielstufigen Produktionsprozess von der Vormaterialannahme bis zur Auslieferung abgedeckt haben.

Die Anwendung der Geräte in der Fertigung

Diese Gerätekategorie ist ein robuster PDA mit Touchscreen, Barcode Scanner, WLAN-Karte und eben: Windows CE. Das heißt, wir können das Gerät mit C# und dem .NET Compact Framework programmieren. Die Anwendungsbeispiele für diese Geräte in der Logistik sind Legion, ich persönlich habe dagegen noch keine so ausgereifte Anwendung im Bereich der mobilen Betriebsdatenerfassung wie ROMA Mobile gesehen. Bislang bedeutete BDE immer verkabelte Industrie-PCs an jeder Maschine oder gar proprietäre Terminals. Wir haben in dem Projekt gemeinsam mit unserem Partner TGS Telonic dagegen 10 Hallen ausgeleuchtet und absolute Standard-Hardware verwendet, um online die Daten mobil zu erfassen.

Online-Zugriff per ADO.NET und WLAN von einem CE-Gerät

Mobile Projekte operieren heute entweder offline mit lokalen Datenbeständen auf den Geräten und Synchronisation oder wenn sie online funktionieren, dann mit über zusätzliche Schichten wie zum Beispiel Web Services. Wir machen es in diesem Projekt viel einfacher. Die Geräte rufen über einen ADO.NET Provider auf dem Gerät per WLAN direkt Stored Procedures und Views in der zentralen Datenbank auf. Das funktioniert sehr robust, ist extrem einfach zu warten und u.E. nach eine gerade für Inhouse-Lösungen geeignete Architektur. Eine zusätzlicher Service-Tier bringt hier keine Vorteile. Leider sieht man keine Beiträge zur Programmierung mobiler Geräte, die auf diese Möglichkeiten hinweisen.

Scan-Only Transactions

Wenn wir in der Industrie ansonsten Lösungen mit mobilen Geräten sehe, dann laufen oft Terminal-Sessions auf dem PDA. Das heißt der Anwender muß sich durch ähnliche Menüstrukturen wie auf dem PC hangeln, um zu seiner gewünschten Buchung zu kommen oder gar Funktionstasten oder Transactions-Codes kennen. Wir haben hier die Möglichkeiten der C#-Programmierung ausgenutzt und den Geräten eine State-Machine spendiert. Die mobile Applikation erkennt aufgrund der Reihenfolge der gescannten Barcodes, was der Anwender möchte. Zwei kurze Beispiele:

  1. Edelstahlband (Vormaterial) anscannen -> Gerät zeigt Informationen über das Material an.
    Noch ein Band scannen -> Gerät schaltet in Listenmodus um und zeigt beide Bänder.
    Jetzt einen Lagerplatz anscannen -> Gerät bucht sofort die Umlagerung.
  2. Nacheinander Stahlband, Auftragskarte und "Verbrauchs-Barcode" an der Maschine scannen -> Gerät bucht sofort den Verbrauch des Bandes für den Auftrag an dieser Maschine. Die Buchungen erfolgen wie gesagt durch Aufruf einer Stored Procedure über das WLAN. Wenn das Band nicht zum Auftrag paßt, sendet die Datenbank eine Fehlermeldung an das mobile Gerät und wir verhindern sofort die Produktion von Schrott.

Fazit

Noch vor wenigen Jahren hätte uns der Kunde kaum ernst genommen, wenn wir uns für ein Projekt dieser Größenordnung beworben hätten. Das proprietäre Knowhow, das man für die Programmierung früherer Gerätekategorien brauchte, konnten nur etablierte Ingenieurbüros oder große Systemhäuser mit BDE-Erfahrung aufbringen. Mit C# und .NET auf mobilen Geräten und Standard-WLAN-Technologie eröffnen sich bei innovativem Einsatz auch kleineren Unternehmen wie uns völlig neue Märkte.

Vielen Dank.